"Müllis" vor dem Kölner Dom
Köln - Wo im vergangenen Jahr Gläubige dem Papst zujubelten, stehen
demnächst 1000 "Müllmenschen": Der Aktionskünstler HA Schult stellt
seine weltbekannten "Trash People" vom 21. April bis zum 1. Mai vor dem
Kölner Dom aus. "Die sollen verdammt mahnen. Der Müll sagt die
Wahrheit", sagte Schult (66) am Dienstag über seine konsumkritische
"Müllis". Er baute die lebensgroßen Skulpturen 1996 aus Dosen,
Computerschrott und anderem Abfall zusammen. Sie waren unter anderem
schon auf der Chinesischen Mauer, dem Roten Platz in Moskau, vor den
ägyptischen Pyramiden, im möglichen Atommülllager Gorleben, in Paris
und in Brüssel zu sehen. In Köln heißen sie "Cologne People". Seine
Heimatstadt sei für Aktionskunst besonders geeignet, sagte Schult: "Die
Kölner leben auf der Straße, sie sind durch den Karneval trainiert."
Schults "Müllmenschen" erinnerten an die Mahnung der katholischen
Kirche, die den Menschen mit dem Aschenkreuz am Aschermittwoch auf die
Vergänglichkeit hinweise, sagte Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma
(CDU). "Die Trash People haben die gesamte Welt gesehen, und die Welt
hat die Trash People gesehen", fügte Schramma hinzu.
Nach der Schau auf dem Vorplatz des Kölner Doms gehen die 1000
Skulpturen noch nach New York, Chile und in die Antarktis. Die Kölner
Ausstellung wird von einem Dutzend Sponsoren aus Industrie, Handel und
Versicherungswesen unterstützt. Das sei kein Widerspruch zu seiner
konsumkritischen Haltung, sagte Schult: "Das sind alles Leute, mit
denen ich mich sehen lassen kann. Wenn die dann Leute entlassen, damit
habe ich nichts zu tun." Seine Kunst aus Müll sei "vorweggenommene
Archäologie": "Römische Scherben sind die Coca-Cola- Büchse von
morgen." Nicht die Industrieprodukte überdauerten, sondern die Kunst
bleibe. "Ich denke, dass Kultur einen wichtigen Beitrag leistet, das
Leben wieder lebenswert zu machen." An den 1000 Müllmenschen hatte
Schult mit 30 Mitarbeitern ein halbes Jahr lang gebaut. 500 Figuren
wurden inzwischen verkauft und werden durch neue ersetzt. "Sie kosten
jetzt 6000 Euro, mit steigender Tendenz", sagte Schult. Durch den
Verkauf finanziere sich die Weltreise der Trash People zum großen Teil
selbst.
Nach der Schau in der Antarktis im kommenden Jahr werde er die
Skulpturen voraussichtlich in drei deutsche Städte, unter anderem Köln,
geben. Auf dem Kölner Roncalliplatz werden die "Müllis" eingezäunt und
bewacht, nicht nur weil sie wertvoll seien, sondern auch, um sie vor
Vandalismus zu schützen, sagte Schult. Auf der Chinesischen Mauer, dem
Roten Platz und vor den Pyramiden sei das nicht nötig gewesen, ebenso
wenig am Matterhorn. "Die Wanderer waren so erschöpft von der dünnen
Luft, die haben nichts kaputtgemacht."
(dpa)