Gute Namen werben weltweit für die Domstadt

Mit 143 Botschaftern startet das Kölner Wirtschaftsdezernat eine Standortoffensive
PETER REUTER | KÖLN

Gekonnt ist gekonnt, man spricht von ihm, er setzt sich weltweit in Szene - sogar mit Müll:
ob in den USA, in China oder ab dem 21. April vor dem Kölner Dom. Der umtriebige Aktionskünstler HA Schult, dessen 1 000 "Trash People" zurzeit auf Welttournee sind, bringt neben seiner Kunst nun auch die Domstadt überall offiziell ins Gespräch. Er ist einer von 143 Persönlichkeiten, die Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) im Oktober feierlich mit Anstecknadel und Urkunde im Rathaus zu Wirtschaftsbotschaftern der Stadt ernannt hat. "Angesichts knapper Haushaltsmittel haben wir nach einem Weg gesucht, das Köln-Marketing zu verstärken, ohne viele Geld aufbringen zu müssen", sagt der Oberbürgermeister. "Vom Standort überzeugte Unternehmer sind die beste Werbung." Er habe daher Persönlichkeiten angesprochen, die über internationale Kontakte verfügen, eine leitende Position bekleiden und eng mit Köln verbunden sind, sagt Schramma.
Bis zu 150 solcher Botschafter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst sollen es werden. Im Kreis des Kölner "Who is Who" befinden sich neben HA Schult auch Flughafenchef Michael Garvens, Kemal Sahin von der Türkisch- Deutschen Industrie- und Handelskammer sowie Hoteliers, Banker, Forscher und viele mittelständische Unternehmer. "Wir begrüßen diese Initiative sehr, weil Köln damit ein Signal aussendet, dass es sich international aufstellt und dem Ausland zuwendet", sagt Detlev Sachse, Geschäftsführer der IHK Köln. Signale aus dem Rheinland an internationale Investoren sendet Köln zurzeit auf der MIPIM aus, der internationalen Immobilienmesse, die bis zum 17. März in Cannes läuft. Die Stadt verweist auf einen Rekord von Neuvermietungen bei Gewerbeimmobilien, der durchaus als Indikator für einen wachsenden Markt gesehen werden kann.
Zuversichtlich blicken auch die Verantwortlichen der IHK Köln in die Zukunft. Der von der Kammer ermittelte Geschäftsklimaindex weist mit 113 Punkten den besten Wert seit dem Frühjahr 2001 aus. Dennoch schränken die Haushaltssperre und eine hohe Arbeitslosigkeit - die 2005 auch bedingt durch den Effekt der Arbeitsmarktreform bei 13,5 Prozent lag - den Aktionsradius der Stadt ein.
Als ein großes Plus für den Standort gilt die Gewerbesteuer. "Wir haben seit 1988 bei der Gewerbesteuer den Hebesatz von 450 nicht erhöht", so Schramma. "Wegen der angespannten Lage hat uns der Regierungspräsident aufgefordert, die Gewerbesteuer zu erhöhen. Wir sind aber bemüht, für 2007 einen ausgeglichen Haushalt hinzulegen, um darauf verzichten zu können." Neben großen Arbeitgebern wie Ford, dem WDR und der Rewe Group bilden die mittelständischen Unternehmen ein breites Fundament. Über 80 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiten im Dienstleistungsbereich.
Ein neu aufgestelltes Wirtschaftsdezernat und verbesserte Unternehmensservices sollen Firmen am Standort halten - und neue Unternehmen für Köln gewinnen. Die Wirtschaftsförderung hat kürzlich den schwedischen Telemarketingspezialisten XLNT und ein führendes Unternehmen der Sportübertragung, die Wige Media, nach Köln gelockt. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) stockt zurzeit auf 400, vielleicht sogar auf 1 000 Mitarbeiter auf. Der Logistiker UPS hat sein wichtigstes europäisches Drehkreuz am Airport aufgebaut, der zudem Europas größte Adresse für Low-Cost-Carrier ist. Und die sorgen für noch mehr Besucher. Gerade als Reiseziel hat Köln momentan beste Karten: 2005 knackte Köln bei den Übernachtungen erstmals die Vier- Millionen-Grenze. Großveranstaltungen wie der Weltjugendtag im vergangenen Jahr und die Fußball-WM 2006 fördern zusätzlich das positive Image der Stadt. "Diese Großereignisse machen für Köln weltweit Reklame", sagt Fritz Schramma. "Eine solche Werbung für die Stadt könnte man gar nicht bezahlen."
(Handelsblatt, 15.03.2006)

Kontakt

KölnKongress GmbH
Messeplatz 1
D-50679 Köln

tel: +49 221 821 21 21
fax: +49 221 821 34 30
info@koelnkongress.de