Rhein-Romantik und Events sorgen für Boom im Gastgewerbe

Touristen und Geschäftsreisende kommen immer häufiger nach Köln
SASCHA WOLTERSDORF | KÖLN

Auf den ersten Blick haben Papst Benedikt XVI. und die mythische Figur der Loreley nicht viel gemeinsam. Beide haben jedoch auf ihre Weise dazu beigetragen, dass Köln im vergangenen Jahr ein touristisches Glanzjahr feiern konnte. Ganz genau 2 329 055 Besucher und 4 211 579 Übernachtungen verzeichneten die Kölner Touristik-Profis - das bedeutete jeweils einen Anstieg von 9,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Kurz: Besucherrekord.
Mit dazu beigetragen hat selbstverständlich auch der Weltjugendtag mit dem Besuch des Papstes kurz nach dessen Amtseinführung. Das unterstreicht Josef Sommer, Chef der städtischen Gesellschaft Köln-Tourismus. "Im August, eigentlich die Saure-Gurken-Zeit des Städtetourismus, hatten wir 25 Prozent mehr Gästeankünfte und Übernachtungen in Hotels und gewerblichen Herbergen.
Das ist wirtschaftlich ein sensationelles Ergebnis, das sich auf die ganze Region auswirkt." Noch wichtiger, so Sommer, sei allerdings der Image-Gewinn. "Köln ist in der ganzen Welt als eine sehr lebendige, friedliche, stimmungsvolle und coole Stadt rübergekommen. Das hat im Nachhinein viele Menschen dazu bewegt, nach Köln zu kommen."
Ein weiterer Grund für die hohen Besucherzahlen, die seit 1995 ungebrochen steigen, ist das zunehmende Interesse ausländischer Gäste. Insbesondere die Briten lockt der "romantic rhine" mit seiner Landschaft und den sagenumwobenen Figuren wie der Loreley. Und der Rhein ist von Köln aus mit dem Schiff bestens zu entdecken. Mehr als 270 000 Übernachtungen von Briten konnten im vergangenen Jahr verbucht werden - das ist ein Plus von 12,3 Prozent. Diese ungebrochen positive Tourismus- entwicklung ist auch dem Köln- Bonn-Airport zu verdanken ist. Als Drehkreuz für Billiganbieter wie Germanwings, Hapag Lloyd Express und Easyjet bietet der Flughafen nicht nur Touristen, sondern zunehmend auch Geschäftsleuten einen preisgünstigen Weg in die Domstadt. Denn trotz des Tourismus-Booms sei Köln immer noch in erster Linie ein Ziel für Geschäftsreisen. Aber, betont Köln-Tourismus-Chef Sommer, vor allem im Segment der Freizeitreisen sei in den letzten Jahren sehr viel aufgeholt worden: "Da kommen die Zuwächse her." Insgesamt ließen die Köln-Besucher im Jahr 2005 nach Einschätzung der Statistiker 4,34 Milliarden Euro in der Rhein-Metropole. Und für die Zukunft will sich Köln noch interessanter für Übernachtungsgäste machen. Ein nahe liegender Grund: Sie geben im Durchschnitt 140 Euro aus, Tagesbesucher dagegen sind mit 37 Euro relativ sparsam bleiben.

In diesem Jahr wirkt vor allem die Fußball- Weltmeisterschaft als Magnet, die obendrein in den für Städtetouristen wenig attraktiven Sommermonaten Juni und Juli stattfindet. Darüber hinaus - und neben dem Dauerbrenner Karneval - setzt die Stadt auf einen Mix aus zahlreichen Veranstaltungen aus den Bereichen Kultur, Sport und Business. Die neu erbauten Messehallen sollen ihren Teil dazu beitragen, ebenso wie der Ford Köln Marathon und Kunst-Events wie die "Trash People" von Aktionskünstler HA Schult. Die 1 000 Müllmenschen werden nach ihrem Aufenthalt vor der chinesischen Mauer, dem Kreml und den Pyramiden von Gizeh auf dem Roncalliplatz vor dem Kölner Dom aufgestellt. "Das ist eine ideale Kulisse für die Aktion dieses weltweit renommierten Künstlers", sagt Sommer. "Das wird Bilder in vielen Medien mit dem Kölner Dom im Hintergrund hervorrufen - und das ist ein Pfund, mit dem wir wuchern werden."
(Handelsblatt, 15.03.2006)

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