Event-Sommer ohne Pause
VON HELGA WÜRFEL-ELLMANN
"Wenn wir könnten, wie wir wollten...", mehr brauchte Bernhard Conin
gar nicht sagen. Seit Jahren schlägt sich der Geschäftsführer von
KölnKongress mit demselben Problem herum:
Nur bei neun Freiluft-Veranstaltungen am Tanzbrunnen darf es dank
Ausnahmeregelungen etwa lauter zugehen. Bei den restlichen
Veranstaltungen muss die Lautstärke drastisch herunter gedreht werden,
weil ein Nachbar auf sein Recht pocht. Trotzdem besteht kein Grund zum
Klagen: Zu den insgesamt 76 Veranstaltungen kamen 346000 Besucher,
ähnlich viele wie im Vorjahr. "Und das trotz Fußball-Weltmeisterschaft
und eines wechselhaften Sommers", freute sich Conin, "wir schreiben
weiterhin schwarze Zahlen." Das Lautstärken-Problem und die
Unsicherheiten beim Wetter sind die entscheidenden Gründe dafür,
weshalb man weg von reinen Konzertveranstaltungen will. Mit 570
Veranstaltungen auf dem gesamten Tanzbrunnen-Gelände - Rock, Pop,
Talentproben, Comedy, Festivals, Familien- und Sportveranstaltungen,
Ausstellungen und Märkte - inklusive der 174 Termine im Theater in der
zurückliegenden Saison hat KölnKongress dieses Ziel weiterverfolgt. Auf
allen Bühnen wurde gespielt. Bestbesuchte Veranstaltungen waren die von
"Rosenstolz" (12000 Besucher), gefolgt vom "Amphi Festival The Orkus",
den "Wise Guys" und "Wir sind Helden".
Auch im Biergarten und im Cologne Beach Club gab es in der heißen Zeit
Anfang Juni bis Anfang Juli nur gelegentlich freie Plätze. In der
kommenden Saison will man an die 200 Termine im Theater schaffen - viel
mehr ist laut Conin ohnehin nicht drin. Deshalb ist der Geschäftsführer
ganz froh, dass KölnKongress neben dem Tanzbrunnen inmitten Kölns
größter Chill-Out-Zone am Rhein und weiteren "SEL"s (Special Event
Location) wie Bastei, Zoo oder Zeughaus jetzt auch das "Flora"-Gebäude
betreiben darf. "Vor zwei Jahren war die Lage ziemlich mau, aber jetzt
stellen wir fest, dass es wieder mehr Firmen- und
Betriebsveranstaltungen beziehungsweise - feiern gibt".
Von der gekündigten Vormieterin hat KölnKongress für dieses Jahr an die
30 Veranstaltungen übernommen, seit September akquiriert die
Betreibergesellschaft selbständig. Besonders stolz zeigte sich Conin,
dass es gelungen sei, Tommy Engel mit seiner Weihnachtsshow für
zunächst acht Termine in den Flora-Festsaal zu holen. Aber auch die
übrigen Räumlichkeiten wie Bistro oder Parksalon würden zunehmend
gebucht. "Die Flora ist ein Hochzeitshaus, ähnlich wie der Tanzbrunnen,
wo der Parksaal einmal im Monat ein Hochzeitsfest stattfindet",
erklärte er. Insgesamt seien für 2007 rund 200 Veranstaltungen in der
Flora geplant. Nach Karneval 2008 ist allerdings erst mal Pause - der
Rest des Jahres ist für eine umfassende Sanierung geblockt. Conin hofft
jedoch, schon zu Silvester 2008 mit einem großen Ball wiedereröffnen zu
können.
(Rheinische Post Opladen, 17.10.2006)