SASCHA WOLTERSDORF | KÖLN
Auf die Frage, was Köln als Kongressstadt so besonders macht, hat
Bernhard Conin eine saloppe Antwort: "Der Mix macht's", fasst der
Geschäftsführer der Kölnkongress GmbH zusammen.
Keine Spezialisierung, Köln setzt auf die Vielfalt. Bei mehr als 2 000
Veranstaltungen jährlich beweist die Gesellschaft Kölnkongress ihre
Flexibilität. Sie versteht sich als Organisationspartner bei Kongressen
und Events, gehört zu 51 Prozent der Stadt und zu 49 Prozent der
Koelnmesse - und spiegelt in ihrem Angebot genau die von Conin
angesprochene Vielfalt.
Wer in Köln Menschen zusammenbringen will, hat bei den Örtlichkeiten
eine breite Auswahl: Das Angebot beginnt beim altehrwürdigen Gürzenich,
einem mittelalterlichen Bau, in dem sich bereits der Europäische Rat,
die Außenminister der G8-Staaten und die Staats und Regierungschefs der
G7-Staaten trafen. Es geht weiter mit dem eher schlicht funktionalen
Congress-Centrum Koelnmesse, das unter anderem mit einem sehr variablen
Raumangebot punkten kann und endet beim "km 689 Beachclub". In Höhe des
Stromkilometer 689 lässt sich auf 3 500 Quadratmetern feinstem Sand ein
"Get together" besonders entspannt genießen: mit Rhein- und Domblick in
der Hängematte oder im Liegestuhl.
Auch Wirtschaftsdezernent Norbert Walter-Borjans wirbt mit der "schon
heute unglaublichen Vielfalt an Tagungs- Locations für fast alle Größen
und Ansprüche". Wer internationalen Standard wünscht, werde ebenso
fündig wie jemand, dem es vor allem um unverwechselbare Authentizität
gehe. Schon heute zeichnet sich eine Ergänzung des Angebots ab:
Nachgedacht werde über ein neues Kongresszentrum,
sagt Walter-Borjans. Es solle 3 000 Plätze haben und auf einem Areal
zwischen dem Deutzer Bahnhof, der über einen ICE-Anschluss verfügt, und
den neuen Messehallen liegen. Dazu gebe es ein Angebot eines
internationalen Investors. Derzeit stehe die Stadt mitten im
Entscheidungsprozess, man sei dabei,
Angebots- und Nachfrageprofile gegenüberzustellen, sagt Walter-Borjans.
"Dann entscheiden wir, ob und wo eine Ergänzung sinnvoll und
wirtschaftlich ist. Halbe Sachen sollten wir auf jeden Fall nicht
machen." Wenn Josef Sommer, Chef von Kölntourismus, von MICE spricht,
hat er keine Mäuse im Sinn, sondern: Meetings, Incentives, Conventions
und Events. Das MICE-Geschäft biete gute Perspektiven aufgrund der
wesentlich höheren Wirtschaftskraft verglichen mit dem klassischen
Tourismus, sagt Sommer. Das Verhältnis liege "bei etwa 70 zu 30".
Anders als in anderen Städten hatte Köln im Veranstaltungsgeschäft
zuletzt keine Einbußen hinzunehmen. "Wir sind auf sehr hohem Niveau
stabil", sagt Sommer. Allein Kölntourismus habe 11000 Veranstaltungen
im Jahr 2006 betreut. Als "toller Werbeträger" habe sich die Fußball-WM
erwiesen. Im Gefolge des Großevents hätten viele Privatunternehmen ihre
kleineren Veranstaltungen drumherum gebucht.
Auch Kölnkongress-Chef Conin geht von weiter stabilen oder steigenden
Buchungszahlen aus. Für Köln spreche die Lebendigkeit und Attraktivität
der durch Kunst, Kultur und zahlreiche Studenten geprägten Stadt sowie
die zentrale Lage. Die Veranstaltungen innerhalb Kölns seien per
Schiene, Straße sowie den
Köln-Bonner Flughafen schnell und gut erreichbar. Als diesjährige
Top-Veranstaltung nennt Conin den Deutschen Evangelischen Kirchentag.
Bundesweit steht die Region Köln/Düsseldorf auf dem dritten Platz des
"Meeting- & Event-Barometers 2007". Darin sind die von
Veranstaltern bevorzugten Regionen aufgelistet. Auf Platz eins und zwei
liegen Berlin und das Main-Gebiet um Frankfurt. Das Ranking wurde vom
Europäischen Institut für TagungsWirtschaft (EITW) im Auftrag des GCB
German Convention Bureau
(GCB) und anderer Verbände erstellt. Den Bronzerang teilt sich Köln mit
München und Hamburg. Den Grund für die Top-Platzierung liefert die
Studie ebenfalls: Für 64 Prozent der weltweit mehr als 40 000 befragten
Veranstalter, Anbieter und Experten der Branche sind die Lage und die
damit verbundene Erreichbarkeit über sämtliche Verkehrsträger sowie die
weichen Faktoren - zum Beispiel das positive
Image einer Destination - entscheidend bei der Wahl. Kurzum: Gefragt
sind die Infrastruktur einer Großstadt und der Charme einer Metropole.
Das weltoffene Köln mit seiner zweitausendjährigen Geschichte hat
offenbar beides zu bieten.
(Handelsblatt, 18.05.2007)